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Frage 6 – Thema: Altersarmut von Frauen

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Frage: Wie würdest Du das schon jetzt bestehende Risiko der Altersarmut bei Frauen abzumildern versuchen? Welche Lösung strebst Du an, um die überproportionale Benachteiligung der Frauen bei einer möglichen Einführung der Zuschussrente zu verhindern? Wie würdest Du das schon jetzt bestehende Risiko der Altersarmut bei Frauen abzumildern versuchen? Welche Lösung strebst Du an, um die überproportionale Benachteiligung der Frauen bei einer möglichen Einführung der Zuschussrente zu verhindern?

Antwort:

Katrin Göring-Eckardt: Frauen sind und werden stärker von Altersarmut betroffen sein als Männer, weil sie eine niedrigere Beschäftigungsquote aufweisen, häufiger im Niedriglohnbereich beschäftigt sind und größere Lücken in ihrer Erwerbsbiographie aufgrund von Familienarbeit aufweisen. Vereinfacht gesagt war es im Westen der Republik  die fehlende Kinderbetreuung und im Osten die fehlenden Arbeitsplätze, die zu Armut im Alter führen werden. Präventionsmaßnahmen sind also nötig. Um das Risiko von Frauen zu senken brauchen wir einen gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn,
gleichen Lohn für gleiche Arbeit, eine Reform der Minijobs, aber eben vor allem flächendeckende, verlässliche, flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Und schließlich brauchen wir die Garantierente, die gerade auf die Bedürfnisse von Frauen eingeht. Außerdem werden wir als Sofortmaßnahme natürlich auch die Grundsicherung im Alter für diejenigen anheben müssen, die heute schon in Rente und von
Armut betroffen sind.


 

Patrick Held: Die Antworten von Patrick Held sind nur als .pdf verfügbar. Hier geht es zu seinen Antworten.

 

Nico Hybbeneth: Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn und ein Entgeltgleichheitsgesetz. Ein Lohnunterschied von 23% zwischen Frauen und Männern ist nicht weiter hinnehmbar. Ich fordere gleichen Lohn, für gleiche Arbeit. Zusätzlich muss die Elternzeit auf die Rente angerechnet werden und genügend Kinderbetreuungsmöglichkeiten angeboten werden. Diese ermöglichen es Frauen und Männern in ihrer Familienplanung flexibel zu sein. Kinderbetretung schafft die Möglichkeit, dass Frauen schon bald nach der Geburt ihrer Kinder wieder in den Beruf einsteigen zu können.
Weiterhin fordere ich ein bedingungslose Grundeinkommen, das auch im Alter ausgezahlt wird.

 

Roger Kuchenreuther: Einheitsrente für alle, auch Selbständige und Beamte, als Grundabsicherung ab 65: Finanziert durch Bürgerversicherung mit Steuerunterstützung, dazu Volksenscheid bundesweit einführen und als erstes beitragsbezogene Altersversorgung zur Abstimmung stellen (Krankenversicherung mit unterschiedlichen Beiträgen genauso).
Ehegattensplitting abschaffen genauso wie die daraus folgende Ehegattenversorgung, bundesweiten Mindestlohn einführen und Geringverdiener steuerlich und abfabenpflichtmäßig mehr entlasten (siehe 4)

 

Renate Künast: Erst einmal ist im Moment noch gar nicht klar, ob und wie die Zuschussrente kommen wird. Merkel hat ja schon angekündigt, dass die Zuschussrente nicht so kommen wird wie von Ministerin von der Leyen geplant. Ob diese chaotische Koalition überhaupt noch die Kraft dafür findet, steht in den Sternen.

Ich möchte dem Problem zunehmender Altersarmut eine Gesamtstrategie entgegensetzen. Dabei sollten wir bei der Wurzel des Problems anfangen, das heißt: auf dem Arbeitsmarkt. Im Hinblick auf Altersarmut sind insbesondere die Minijobs, die niedrigen Löhne und das schwache Tarifsystem problematisch. Gleichzeitig eröffnet ein massiver Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten Eltern bessere Möglichkeiten, am Erwerbsleben teilzunehmen. Dazu braucht es ausreichende, gute Kitas und Ganztagsschulen. Bei der Rente möchte ich die Kindererziehungszeiten besser anrechnen. Für jene Menschen (besonders häufig Frauen), die dann von Altersarmut bedroht sind, müssen wir eine Garantierente einrichten, die unbürokratisch ausgestaltet und steuerfinanziert ist.

 

Alfred Mayer: Ich würde die Ausfallzeiten für Geburt und Erziehung bei der Rentenberechnung als volle Berufstätigkeit  berücksichtigen.

 

Markus Meister: Die Rente muss über Umverteilung für alle Bürgerinnen und Bürger gesichert werden. Gerade die, die durch Ehrenämter, soziales Engagement, Pflege und Kinderbetreuung nicht die nötigen Jahre vollerwerblich tätig waren müssen die Sicherheit haben im Alter nicht arm oder hilflos zu sein. Dabei gehören erwerbstätige Frauen gleich entlohnt wie männliche Kollegen und eine kostenlose Kinderbetreuung muss der bundesweite Standard sein. Jeder Mensch hat für mich das Grundrecht auf einen finanziell sorgenfreien Ruhestand. Es ist ein Wahnsinn, dass die die staatlich am meisten einzahlen da ihr Gehalt entsprechend hoch ist, auch die höchsten Renten vom Staat bekommen. Diese Menschen aber auch privat noch vorsorgen können, während sogenannte Niedriglöhner nicht privat vorsorgen können, von der staatlichen Rente auch viel weniger bekommen. So ist bleiben zwar die Klassenunterschiede zwischen Arm und Reich weiter gewahrt, das ist evtl. von manchem auch gewollt, kann aber nicht Ziel eines sozial-gerechten Staates sein!

 

Claudia Roth:  Eine reine Ergebniskosmetik, wie sie durch die aktuellen Pläne der Zuschussrente von Ministerin von der Leyen angedacht ist, kann nicht die Lösung sein. Gegen das höhere Armutsrisiko von Frauen im Alter liefern weder Union noch SPD ausreichende Konzepte. Das grüne Konzept der Garantierente schützt dagegen zuverlässig vor Armut, auch wenn die Erwerbsbiographie durch Familienauszeiten oder Teilzeitarbeit unterbrochen war. Die grüne Garantierente wird deshalb vor allem Frauen zu gute kommen, die keine Chance mehr haben, ihre Rentenbeiträge ordentlich aufzustocken und für die die Chancen auf dem Arbeitsmarkt noch geringer waren.

Entscheidend, um Altersarmut gerade von Frauen langfristig zu verhindern, ist aber, dass wir bei den Ursachen ansetzen. Teilzeitarbeit, prekäre Beschäftigung und Minijobs werden überdurchschnittlich von Frauen ausgeführt und haben meist Armut im Alter zur Folge. Deshalb brauchen wir mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Arbeitswelt, gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit durch ein Entgeltgleichheitsgesetz, eine Frauenquote in Führungspositionen und gleiche Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen, ausreichende und qualitativ hochwertige Kinderbetreuungsplätze, um die Teilzeitfalle für Frauen zu überwinden, einen flächendeckenden Mindestlohn sowie eine Anrechnung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten. Das nützt auch Alleinerziehenden, die besonders häufig von Armut bedroht sind. Wir brauchen auch eine deutlich höhere Anerkennung von Berufen in der Kita oder Pflege, die sich nicht nur, aber auch materiell darstellen muss. Denn es gibt eine deutliche Schere zwischen dem hohen Wert, der frühkindlicher Bildung oder einem würdigen Leben im Alter beigemessen wird, und einer Arbeitswirklichkeit für die vielen hier beschäftigten Frauen, die von Überbelastung und Unterbezahlung geprägt ist. Und vieles in der Berufsberatung funktioniert immer noch nicht, wenn Mädchen in so großer Zahl in die zehn „typischen" Frauenjobs gehen – da fehlt der Einbruch in die Männerwelt. Und natürlich gehören Negativanreize wie das Ehegattensplitting und automatische Mitversicherung von EhepartnerInnen so bald wie möglich abgeschafft. Mit der geplanten schwarz-gelben Herdprämie werden Frauen dagegen weiter in die Armutsfalle getrieben.

 

Franz Spitzenberger:  Altersarmut können wir nur dadurch reduzieren bzw. verhindern, dass die Löhne für Frauen das Lohnniveau der Männer erreichen und dass die Kindererziehungszeiten für die Rentenberechnung stärker bewertet werden. Ferner haben die Arbeitgeber zu den Minijobs die vollen und nicht pauschalierte Sozialabgaben abführen, mit einer entsprechenden Berücksichtigung bei der Rentenberechnung des Arbeitnehmers.

 

Jürgen Trittin: Aus Hungerlöhnen werden Hungerrenten – da hat Norbert Blüm recht. Hunger­löhne, prekäre Beschäftigung, Minijobs betreffen vor allem Frauen. Wer Alters-armt bekämpfen will muss da ran. Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn, wir müssen die Mini Jobs begrenzen und die Zeit- und Leiharbeit zurückfahren.

Wer aber sein Leben lang, oder aber mindestens 30 Jahre lang dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestanden hat, der darf am Ende nicht in der Grundsicherung lan­den. Er oder Sie müssen eine Rente sicher haben, die über Armutsniveau liegt. Dafür entwickeln wir gerade unser Konzept der Garantierente. In meinen Augen wären mit der Garantierente die Voraussetzungen dafür gegeben, die Verlänge­rung der Lebensarbeitszeit zu beschließen. In der Garantierente sollen auch Aus­bildungszeiten, einige Jahre Kindererziehung, Erwerbsunfähigkeitsjahre und Arbeitslosigkeit bei der Anspruchsvoraussetzung zählen. Damit wäre schon eini­ges gegen Altersarmut auch für die Frauen getan.

Rückwirkend wird es schwierig, die Ungerechtigkeiten und Fehlstellungen des (west-)deutschen Sozial- und Steuersystems jetzt durch die Rentenversicherung komplett auszugleichen. Deshalb müssen wir für die Zukunft allen Frauen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt – u.a. durch den Ausbau der Betreuungsinf­rastruktur – und zu besser entlohnten Jobs verschaffen, damit sie sich eigen­ständige Ansprüche in der Rentenversicherung aufbauen können.

 

Werner Winkler: Bisher ist keine Zuschussrente beschlossen. Wenn ich darauf Einfluss hätte, würde ich für eine Grundrente plädieren, die unabhängig von den eingezahlten Beträgen je Beitragsjahr bezahlt wird – mit einem Mindestbetrag, ähnlich wie in Dänemark. Da es aber bekanntlich Garantien für die Rentenversicherten gibt, müsste ein Modellwechsel stufenweise über längere Zeiträume erfolgen. Die Einführung einer Grundsicherung könnte das Problem der Altersarmut womöglich gleich mit lösen, deshalb könnten diese beiden Themen gemeinsam beraten werden.

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